Freitag, 1. August 2008

Ich bin dann auch mal weg.....

...allerdings nicht auf dem Pilgerweg, schließlich bin ich ja ein Heide (und das nicht nur heide).
Und im Gegensatz zu David werde ich im Urlaub NICHT laufen, also rennen.
Macht keinen Blödsinn hier, bin dann wahrscheinlich ab 10.September wieder online.

Montag, 14. Juli 2008

Jahresrückblick

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und entsprechend einer alten Tradition ist es an der Zeit, zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Was hatte ich mir nicht alles für das Jahr 8 meiner ruhmreichen Laufkarriere vorgenommen?! Ich wollte möglichst eine neue PB über die Marathondistanz erzielen, möglichst gleiches über die 10-er Kurzstrecke und eventuell in der Stadtrangliste platziert sein.
Ziel eins wurde erreicht, mit dem Zweiten sieht man zwar angeblich besser, aber bei nur einem Wettkampf über diese Distanz konnte das nichts werden und die Stadtrangliste wird mich höchstwahrscheinlich auch in diesem Jahr nicht sehen.
Keine Angst, liebe(r) Leser, ich leide nicht an Demenz, zumindest merke ich noch nichts davon. Mit Recht kommt der Einwand, dass das Jahr ja noch einige Läufe bietet und doch ist das Laufjahr für mich im Prinzip vorbei.
Da ich es ja in diesem Jahr schon geschafft habe, in eine neue Altersklasse aufzusteigen, wird dieser Triumph über den menschlichen Körper und Geist auch noch touristisch belohnt. Und so werde ich mit meiner lieben Angetrauten die ersten drei Augustwochen im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten verbringen. In diesem Bush-Land haben die Laufschuhe definitiv Ruhe vor mir. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Heimat (und vielleicht dem einen oder anderen Lauf weit ab sinnvoller Pulswerte) müssen wir dann noch eine Woche beim Nichtstun von diesen Strapazen entspannen. Im September könnte ich dann voll angreifen, aber können allein reicht nicht aus, denn dann lauern medizinisch indizierte Laufpausen (Schleimhaut-Laser-Show).
Wahrscheinlich kann ich dann also ab Mitte oder Ende Oktober wieder in ein strukturiertes Training einsteigen und dann beginnen, die Grundlagen für 2009 zu legen.
Und um mich schon mal gaaaaaaaaaaaaanz weit aus dem offenen Fenster zu lehnen (open windows), da steht als Hauptereignis der SM auf dem Plan. SM steht weder für eine Frau, deren Idealgewicht 1 kg beträgt (mit Urne), also die Schwiegermutter, noch für anders geartete Sexualpraktiken, sondern für den Super-Marathon am Rennsteig. Wie schon der Marathon in Stockholm werde ich auch diesen Lauf mit meinem Schwager gemeinsam bestreiten und gemeinsam wissen wir noch überhaupt nicht, wie wir diese Strecke überstehen sollen.
So, nun ist es raus und ich komme aus der Nummer auch nicht wieder raus.

Mittwoch, 4. Juni 2008

Schwedenhappen aus Leipzig

Mein erster Auslandsmarathon (wenn man mal von dem in München absieht) sollte mich nach Stockholm führen und von diesem Lauf sollen ja angeblich viele Läufer schwärmen. Gleich vornweg, ich kann die Begeisterung für den Lauf nur bedingt teilen, für die Stadt als solche aber schon.
Es gibt sicherlich eine ganze Reihe von Besonderheiten beim Stockholm-Marathon und eine davon ist, dass man sich spätestens am Tag nach dem Lauf schon für den nächsten anmelden kann. Spontan fällt mir kein zweiter Lauf ein, bei dem das auch der Fall wäre.
Natürlich ist der Marathon nicht so ganz billig, aber bei einem Auslandsmarathon sind es eher die Kollateral-Kosten, die den Preis nach oben treiben:
- Marathon: 75 Euro
- Flug (Germanwings ab Schönefeld): 200 Euro
- Parkplatz in Schönefeld: 19 Euro
- Hotel (4 Sterne, taktisch günstig gelegen): 600 Euro (4 Nächte)
- Transfer Stockholm Flughafen- City und zurück: ca. 20 Euro
- Stadtrundfahrt Stockholm: ca. 35 Euro
- Zusätzliche Kosten (Essen, Einrittsgelder, etc): ca. 300 Euro
Also insgesamt ist da doch der Silbersee-Lauf etwas preiswerter.
Stockholm ist aber auf jeden Fall eine Reise wert, ein wirklich unvergleichliches Flair umgibt diese Stadt und die Wassernähe (1/3 der Stadtfläche) ist natürlich ein Traum. Als preiswert allerdings kann man Stockholm nicht bezeichnen und es war weitaus schwerer als erwartet, eine Gaststätte zu finden, die das Reisebudget nicht extrem in die Höhe treibt. Und so haben wir in diesen 4 Tagen zweimal beim Italiener und zweimal beim Spanier gesessen und gegessen.
OK, aber es soll ja um den Lauf gehen.
Als wir in Stockholm gelandet waren, war mein erster auch laut geäußerter Eindruck: Welch flaches Land…., das sollte sich als fundamentaler Blödsinn herausstellen.
Unmittelbar nach dem Check-In ging es zur Marathon-Messe am altehrwürdigen Olympia-Stadion von 1912. Obwohl die Läuferzahl auf 18000 limitiert war, ist diese Messe nicht wesentlich größer als die beim Leipzig-Marathon und das war eigentlich schon die erste Enttäuschung. Es gab einen exorbitant großen Kleiderbeutel mit völlig konträr dazu befindlichem Inhalt, der da aus einer Umhängetasche (IKEA?), einem Basecap, einem Pflaster, einem Schwamm und jeder Menge Werbung bestand. Letztere meist in Schwedisch, aber auch teilweise in englisch. Die Startnummernausgabe verlief völlig problemlos und mir wurde noch in lupenreinem deutsch von einer asiatisch aussehenden Schwedin alles Gute gewünscht.
Die am Vortag stattfindende Nudelparty haben wir uns geschenkt, obwohl das Ganze sicher sehr interessant gewesen wäre, denn am gleichen Tag und im selben Zeitrahmen fand im Olympiastadion ein KISS-Konzert statt.
Der Start des Marathon sollte 14:00 Uhr erfolgen, was einen als Tourist vor die Frage stellt, wie man bis dahin die Zeit totschlagen soll. Ein spätes Frühstück wurde fabriziert, dann folgte noch ein Abstecher in den nächsten Shop, um Vorstartverpflegung und ebensolche fürs Begleitpersonal zu bunkern. Noch eine knappe Stunde auf dem Hotelbett ausgestreckt und es ging endlich los zum Start.
Wir (also mein Schwager und ich) wollten den Lauf gemeinsam bestreiten, uns schloss sich dann noch eine befreundete Läuferin an und da mein Schwager keine Bestzeit angegeben hatte, mussten wir wohl oder übel aus dem letzten Block (von insgesamt 6) starten.

Die Sonne knallte unbarmherzig auf den Asphalt, die Stimmung unter den Läufern war aber mindestens genauso sonnig. Wir Deutsche stellten mit knapp 1000 Läufern das drittgrößte Kontingent und alle Nationen wurden in der Landessprache begrüßt, sehr nett. Als auf die Frage des schwedischen Roman Knoblauch nach den Debütanten um uns herum nahezu alle Finger in die Höhe gingen, ahnten wir schon fast, was auf der Strecke auf uns zukommen sollte.
Ungefähr 8 Minuten nach dem Startschuss ging es dann auch für uns los und vom Olympiastadion weg führte die Strecke auf eine sehr schön breite Straße, so dass das Überholen, was wir vom Start bis ins Ziel praktizieren sollten, noch einigermaßen funktionierte. Eine erste Begegnung mit unseren Frauen klappte reibungslos, aber nach ca. 2 Kilometern wurde aus der breiten Straße (3 Spuren in jede Richtung) eine verdammt schmale (nur noch eine Spur je Richtung), was logischerweise zum Stau führte. Die Läufer irrten teilweise kreuz und quer über die Straße und einer dieser Verirrten trat mir dabei voll in die Wade. Glücklicherweise konnte ich mir den Schmerz aber herauslaufen.
Die erste Getränkestation haben wir verpasst, Vorwegweiser gab es nämlich nicht. Die Temperaturen lagen im Bereich von 25 bis 30 °C und da kann einen so ein Missgeschick schon nerven.
Die gefühlte Geschwindigkeit lag deutlich über der tatsächlichen, was natürlich am ständigen Hin und Her lag, verbunden mit heftigen Tempowechseln, was einem ordentlichen Ergebnis ja sehr abträglich sein soll.
Getränkestation 2 wurde dann ausgemacht und wie immer bei solchen Veranstaltungen stürzen die meisten Läufer auf den allerersten Tisch. Wir suchten uns immer einen ziemlich am Ende heraus, aber auch da musste man zwingend stoppen. Getränke (furchtbar dünnes Iso und Wasser) gab es sehr viel, so dass eine Dehydrierung nicht zu befürchten war.
Geplant war ein 6-er Schnitt, aber durch das ständige Gehüpfe lagen wir am Anfang etwas außerhalb dieses Plans, wurden aber leicht schneller, denn so ein wenig lichtete sich das Feld, aber wirklich nur wenig. Da 2 Runden zu laufen waren, die allerdings nicht ganz identisch sind, wollten wir einer Überrundung entgehen, was uns auch gelungen ist, denn der Sieger benötigte immerhin auch 2:16 für die furchtbar wellige Strecke.
Kurz nach der Halbmarathon-Marke merkte ich, dass mein Schwager leicht aber stetig beschleunigte. Gleichzeitig merkte ich aber auch, dass ich dazu keinerlei Lust hatte und so fungierte ich als Bremse. Endlich gab es etwas zu essen, schon fast vergorene Bananen wurden von netten Helferinnen mit der Hand aus Eimern (?) gereicht, sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich hatte Hunger. Bei der nächsten Getränkestation brauchte ich dann einen Becher Wasser, um meine klebenden Hände wieder einigermaßen sauber zu bekommen. Bananen sollte es dann nur noch ein einziges Mal geben, nach meinem Geschmack etwas wenig. Auch die Gemüsebrühe bei km 32 war eine völlig neue Erfahrung für mich, die ich aber unbeschadet überstanden habe. Der gewaltigste Anstieg (schon zum zweiten Mal) auf die Västerbröm-Brücke tat in der zweiten Runde schon deutlich mehr weh als in der ersten, aber trotz der Strapazen überwog doch die Vorfreude, denn unten wartete eine Samba-Band mit leicht bekleideten Tänzerinnen. Und schließlich läuft ja das Auge mit….
Auf den letzten Kilometern übernahm ich dann wieder das Ruder in unserer 2-Mann-LG und endlich war es geschafft, wir liefen ins altehrwürdige Olympiastadion (1912) von Stockholm ein. Unsere Frauen wurden gesichtet und wir durchbrachen erhobenen Hauptes und lächelnd das Ziel. Eine ziemlich schwere Medaille wurde uns in die Hand gedrückt, leider ohne Band. Aus dem Stadion raus gab es für jeden eine Flasche Wasser, dann wurden uns die Laufchips abgenommen (es gab prinzipiell nur Leihchips) und wir bekamen ein T-Shirt und einen Beutel mit Verpflegung. Im Zielbereich selber gab es Wasser, Iso und Bier, sowie Würstchen.
Zwei Bier (2,5 %) später wankten wir dann aus dem Nach-Ziel-Bereich und unseren Frauen entgegen.
Bilanz: sehr gleichmäßig durchgelaufen, über 42 km nur überholt, mit 4:12:49 fast exakt 6-er Schnitt
Angetreten sind 14680 Läufer, durchgekommen 13542, wir liegen auf Platz 5902 bzw. 5903 (Frauen mit eingerechnet)

Donnerstag, 22. Mai 2008

ABBA, Volvo und IKEA

....fallen einem sicher spontan ein, wenn man an Schweden denkt. Und natürlich auch solche Personen wie Astrid Lindgren, Olof Palme, Alfred Nobel oder der A-Klasse umwerfende Elch..
Als Leipziger hat man ja auch eigentlich ziemlich viel mit den Schweden zu tun, auch wenn man nicht unbedingt auf das Knäckebrot von Wasa schwört. Aber schließlich sind die schwedischen National- und unsere Stadtfarben identisch, vor den Toren der Stadt befindet sich die Gedenkstätte für den gefallenen Schwedenkönig und als heimatverbundener Freund des Gerstensaftes erblicke ich das Antlitz eben dieses Königs des Öfteren.
So richtig gute Marathon-Läufer hat Schweden eigentlich noch nicht hervorgebracht oder mir fällt halt spontan bloß keiner ein. Aber einen Marathon-Lauf gibt es dort und der ist nach Wahl der Sportler der Schönste weltweit und an eben diesem werde ich am 31. Mai (also exakt einen Tag nach dem Weltuntergang) teilnehmen, weswegen ich auch in diesem Jahr schweren Herzens auf den Silbersee verzichte.
Die Anmeldung für den Lauf ist völlig unproblematisch übers Netz möglich und diese Anmeldung war schon am Folgetag des Stockholm-Marathon 2007 möglich. Selbst über einen Anbieter ein Hotel gebucht, gerade noch rechtzeitig einen Billigflieger ergattert und so nehme ich den ersten Auslandsmarathon am letzten Maisamstag unter die Füße.
Es wird ein absoluter Erlebnislauf werden, denn die Strecke ist angeblich nicht sonderlich leicht und ich außerdem mit meinem Schwager zusammen laufen will.
Und um wieder auf ABBA zu kommen, ich möchte dort nur ungern mein Waterloo erleben und dabei ist es mir auch egal, dass nur the winner takes it all. Aber ich knowing me, knowing you und will auch keinen auf dancing queen machen, so dass alle nur mamma mia sagen. Nein, ich sage thank you fort he music, knabbere unterwegs ein paar chiquititas und werde ansonsten einen auf flügellahmer fernando machen.
Man erwarte also bitte nicht, dass ich der LG zu Ruhm und Ehre verhelfe, das hat sie ersten schon und von mir ist da ohnehin nichts zu leisten.
Mit der Teilnahmebestätigung bekommt man übrigens eine 4 seitige deutschsprachige Broschüre mitgeschickt, die alle wichtigen Informationen beinhaltet. So ist beispielsweise die Nutzung des Nahverkehrs vom 29.-31. Mai für Läufer kostenfrei, wo gibt es denn noch soetwas.
Ich werde jedenfalls vom Lauf berichten, egal ob es einer wissen will....

Montag, 21. April 2008

PB trotz GW

Genau, persönliche Bestzeit trotz permanentem Gegenwind, es hat funktioniert.
Aber mal schön der Reihe nach, so viel Zeit muss sein. Am Day before fand in der Frühe noch ein Lauf zum Auflockern statt und trotz eines eigentlich nicht vorhandenen Tempos wurden die alten Knochen nicht wirklich lockerer. Die abendliche Nudelparty musste ich aufgrund einer mittelschweren Migräneattacke (ja, leider bekommen auch Männer so etwas) sausen lassen, so dass die Zweifel natürlich einen neuen Schub bekamen.
Sonntag früh ging es dann ab in die Grube-Halle, wo ich auf die Vereinskollegen Dirk und Ronald traf. Letzterer versuchte sich als „Kachelmann für Arme“ und prognostizierte für die Strecke nahezu komplette Windstille. Damit lag er zwar gründlich daneben, konnte sich aber dennoch als zukünftige Wetterfee empfehlen, die liegen schließlich auch immer falsch. Langsam ging es dann zum Start, unterwegs wurde eigentlich ganz schön gefroren und so konnte ich den Rennbeginn kaum erwarten. Leider entgingen mir meine Vereinsoberen, so dass ich ihnen kein Glück wünschen konnte, aber das brauchten sie wohl auch nicht. Nur der „Frische Franzose“ lief mir noch über den Weg und natürlich jede Menge andere bekannte Leute.
Für meine geplante 3:45 h war ein Schnitt von 5:20 erforderlich, den ich aber eigentlich erst ab km 3 erreichen wollte. Möglicherweise lag es an der Kälte, dass ich das nicht geschafft habe, es ging jedenfalls gleich ziemlich zügig los und bei der 5-er Marke hatte ich nur 10 s Rückstand auf die Richtzeit. Am Ring lauerte der Halbe David auf uns Marathonis und war so nett, mich ein Stück zu begleiten. Auch die radelnde Silke stand an der Strecke und feuerte uns an, so etwas baut immer auf.
Beim Einlaufen in das Rondell an der DB kam mir Dirk entgegen, leider nicht das letzte Treffen auf der Strecke. Die Prager Straße zieht sich ja ganz schön und es geht eigentlich permanent bergauf, was sich bei Gegenwind als besonders lästig erweist. Aber trotzdem war nach 10 km alles exakt im Plan und zwar auf die Sekunde genau. Kurz vorher hatte mich ein Läufer gefragt, ob er mit mir zusammen laufen dürfe und da ich ein großzügiger Mensch bin, habe ich das selbstverständlich gestattet. Mit Christian hatte ich dann in meinem 21. Marathon zum ersten Mal einen Laufpartner gefunden und mit ihm auch wunderbar harmoniert, vielen Dank für die Begleitung und gegenseitige Motivation.
Ein Blick auf die Uhr beim Erreichen der HM-Marke zeigte, dass wir schon anderthalb Minuten im Plus waren und bei dieser Marke gab es zum ersten Mal auch viele Zuschauer. Auch die auf den Start wartenden Halben trugen zu diesem Stimmungshöhepunkt bei, vom Verein waren Martin, Christoph und Matthi zu sehen und natürlich David, der mich wieder ein Stück begleitete. Wahrscheinlich waren es genau die Körner, die er dabei auf dem Weg zur eigenen PB vergeudet hat, aber so selbstlos sind wir eXaner halt. Wie in nahezu jedem Lauf wurde mir mal wieder bescheinigt, dass ich unheimlich locker aussehe. Naja, wenn schon nicht schnell laufen, dann wenigstens schön….
Die Split-Zeiten blieben nach wie vor sehr gut und mei Versuch, etwas Tempo herauszunehmen, scheiterten grandios und so wuchs die Befürchtung, dass es vielleicht zum Einbruch käme. Ich war mir aber sicher, dass dieser höchstens nach km 35 auftreten würde und ab da komme ich auf jeden Fall ins Ziel.
Beim km 33 gab es ein Negativerlebnis, denn vor mir tauchte plötzlich Dirk auf, gehend und total frustriert, denn er bekam keine Luft mehr und stieg aus. Bitter für ihn, bei mir ging es unverändert gut, auch wenn es langsam aber sicher weh tat.
Es hatte sich schon vorher angedeutet, aber bei der Verpflegungsstelle bei km 36 konnte Christian nicht mehr folgen und es wurde für mich ein verdammt einsames und hartes Rennen. Aber jegliche Versuchung wurde sofort im Keim erstickt, auch wenn ich jetzt vom Genusslauf weit entfernt war. Inzwischen hatte ich den Tunnelblick, war mir der PB relativ sicher, aber auch nicht mehr zu irgendwelchen Hochrechnungen in der Lage. Ab und zu ein Blick nach hinten, ob nicht die Halbmarathonis auftauchen, aber da war nichts. Die letzten 1500 m hatte ich schon ein Grinsen im Gesicht, die Faust war schon lange vor Freude geballt und mein Lächeln spiegelte sich jetzt auch in vielen Gesichtern.
Die Zielgerade und die Uhr zeigte erst 3:40 an, mein Lächeln wurde noch breiter. Erst Recht, als ich meine Frau in der Menge entdeckte. Zieleinlauf, 3:40:15, eine Umarmung und Wasser des Glücks in den Augen.
Ziel 1 bis einschließlich 8 erreicht, ohne eigenes Zutun leider auch die 19, was will man mehr. Die PB um 6 Minuten verbessert, Vereinskollegen mit unglaublichen Zeiten und Platzierungen, sowohl auf der ganzen als auch der halben Strecke, ein schöner Tag.
Nur für die Statistik:
HM: 1:50:55 2. HM: 1:49:20 gesamt 3:40:15
Platz 227 von 614, AK 14 von 40 und bei den Sachsenmeisterschaften 4. Platz der AK M50

Mittwoch, 16. April 2008

Sag mir wo Du stehst

Nein, keine Angst, es geht nicht um einen temporär aufrechten maskulinen Körperteil, schließlich ist das ja mehr oder weniger ein Lauf-Blog.
Meist weiß der Läufer ja nicht so ganz genau, wo er rein formmäßig vor einem Wettkampf steht. Und wenn man dem Vorwettkampfgejammer insbesondere am Start einer Marathonveranstaltung glauben würde, dann wäre jeder Marathon eine Veranstaltung für Leute mit gaaaaaanz wenig Training, gaaaaaaanz schlimmen Verletzungen und seeeeeeeehr heftigen Wehwehchen. Nach diesem "Läuferlatein" müsste eigentlich die Einteilung in Altersklassen aufgehoben werden und statt dessen wie bei den Paralympics in Schadensklassen gewertet werden.
Nun, ich weiß tatsächlich nicht so richtig, wozu ich läuferisch momentan in der Lage bin. Die Trainingsquantität stimmt eindeutig, zum ersten Mal in meiner Lauf-"Karriere" steht zu diesem Jahreszeitpunkt eine vierstellige Zahl auf dem Tacho. Noch nie habe ich so viele lange Läufe von 20 und mehr Kilometern absolviert (29) und noch nie war mein Schnitt km/Trainingseinheit so hoch (18). Und trotzdem bin ich ein Turnbeutelvergesser und Saunauntensitzer, denn es fehlt eindeutig die Qualität, Tempo oder gar Intervalle waren bestenfalls als Spurenelemente zu verzeichnen. Alles nur, weil nach dem saublöden Sturz und der bescheuerten Bänderdehnung vom Dezember (!!!) die Knochen einfach nicht so wollten, wie ich das will. Jede Tempoverschärfung (wenn ich von Tempo rede, dann ist das für die meisten Vereinskameraden Regeneration) brachte unvermeidlich Schmerzen mit sich und das ist auch heute noch so.
Trotzdem, wat mutt, dat mutt und so will ich am Sonntag PB laufen, die alte steht bei 3:46:12 und ist immerhin schon 4 Jahre alt.
Man soll sich ja realistische Ziele stellen und so habe ich mal eine Zielliste aufgestellt, wobei die Wahrscheinlichkeit mit steigender Ordnungsnummer stark sinkt.

01. Marathon bis ins Ziel bringen
02. Lauf gesund und mit erträglichen Schmerzen überstehen
03. Schnitt von 6 min/km laufen (also Endzeit um die 4:15)
04. unter 4 Stunden laufen
05. vor den ersten Halbmarathonis der LG ins Ziel kommen
06. unter 3:46:12 laufen
07. unter 3:45 laufen
08. vor den ersten Halbmarathonis ins Ziel kommen

19. auf dna auflaufen und ihn überholen
20. auf herchi auflaufen und ihn stehen lassen
21. auf rs auflaufen und passieren

32. nacheinander (Reihenfolge beliebig) roadrunner, jr, steven, cp ein- und überholen
33. jg erreichen und ihn zum zweiten Platz ziehen
34. Streckenrekord laufen
35. JWBL rennen
36. Haile's Berliner Zeit pulverisieren
37. der Erste unter 2h sein
38. Doping-Probe gut überstehen

OK, nicht übertreiben. ;-)))))
Alles bis Punkt 7 scheint realistisch, eventuell noch die 8, da letztes Jahr der Sieg auf der HN-Strecke für 1:14 weg ging.

Montag, 31. März 2008

Meine beste Freundin

Auch wenn ich jetzt meinen guten Ruf riskiere, aber es muss einfach mal heraus, ich habe (trotz glücklicher Ehe) eine Freundin. War es früher so, dass ich mal diese und mal jene ausprobiert habe, so bin ich doch zunehmend treu geworden. Wenn ich es mir recht überlege, dann gibt es schon mindestens 2 Monate keine andere mehr neben ihr, so lange habe ich noch bei keiner einzigen ausgehalten.
Dabei kam alles so ganz unverhofft und eigentlich auch ein wenig schwer vorstellbar. Mein Sohn lernte sie dereinst bei einem Arztbesuch kennen und obwohl das so gar nicht seine Art ist, brachte er sie sofort mit nach Hause. Ich musste zwar ein wenig nachhelfen, aber schließlich lehnte sie sich zärtlich an seinen Rücken. Für ihn war diese Begegnung eine der anderen Art und ich weiß auch nicht, was zwischen den beiden vorgefallen war, aber unter Tränen und mit heftiger Verzweiflung wollte er nie wieder etwas mit ihr zu tun haben. Sie verschwand aus unserem Leben und nur manchmal dachten wir noch an dieses scharfe Luder. Bis es eines Tages der Zufall wollte, dass sie mir in die Arme fiel. Ich wurde schwach, sie sah aber auch zu verführerisch in ihrem rot-blauen Einteiler aus. Und da sie es auch wollte, benutzte ich sie an Ort und Stelle, es war uns alles egal, sie gab sich mir einfach hin und entfachte ein Feuer, wie ich es noch niemals erlebte. Sie gab und gibt mir so viel Wärme, wie es bisher noch keine geschafft hat. Sie verursacht bei mir unkontrollierte Schweißausbrüche und ein beinahe unerträgliches Prickeln auf der Haut. Und doch, trotz all der Schmerzen, komme ich einfach nicht von ihr los, bin ihr hoffnungslos verfallen, muss sie einfach ständig um mich haben. Das Schöne an der Sache ist, meine Frau hat nichts dagegen, denn das, was ich mit meiner Freundin anstelle, das könnte ich mit meiner Frau nie machen. Sie hat halt bloß einen komischen Namen, meine Freundin, einen, den ich vorher noch nie gehört habe. In der Tat einen eigenartigen Namen, denn was mögen sich ihre Eltern bei der Namenssuche gedacht haben? Ich weiß auch gar nicht, welcher Sprache dieser Name entspringt, aber wenn ich mit Latein oder Griechisch versuche, dann heißt sie die letzte Ecke oder gar die letzte Ölung, ich weiß es einfach nicht, wir hatten ja nur russisch und so nenne ich sie einfach nur zärtlich: mein Finchen.
Ich bin nicht ihr Einziger, denn viele hatten sie schon, aber das macht mir nichts aus. Auch ein Punkt, der mich an mir sehr stark wundert, denn ich teile sie gern mit anderen, für mich allein wäre sie auch nicht zu verkraften.